Kontrakturprophylaxe

Sehr geehrter Kunde und sehr geehrte Angehörige*,
wir als Pflegedienst stellen sicher, dass Sie eine adäquate, professionelle und individuelle Kontrakturprophylaxe erhalten. Bei vorliegenden Bewegungsproblemen ist das Risiko einer Kontrakturentstehung erhöht. Sie können dazu beitragen, dass sich dieses Risiko minimiert. Eine Kontrakturprophylaxe soll die Bewegungseinschränkungen oder Fehlstellung der Gelenke verhindern und abmildern. Bestandteile dieser Prophylaxe sind frühzeitige Maßnahmen zur Mobilisierung, besonders das Durchbewegen der betroffenen Gelenke.

Was ist eine Kontraktur – Definition

Eine Kontraktur ist eine dauerhafte Verkürzung von Sehnen, Muskeln und Bändern, die wiederum zu Einschränkungen in der Beweglichkeit führt.
Ursachen sind:

  • Verzögerte oder vernachlässigte Bewegungen der Gelenke (auch bedingt durch Medikamente, die zu Müdigkeit führen)
  • Gelenkerkrankungen (Polyarthritis, Arthrose)
  • Krankhafte Veränderung des Muskelgewebes infolge von Entzündungen oder nach Unfällen
  • Lange Ruhigstellung (nach Knochenbrüchen)
  • Unflexibles Narbengewebe oberhalb eines Gelenkes (Verbrennungen)
  • Halbseitenlähmung (Hemiplegie) und/oder Lähmung (Plegie)
  • Unsachgemäße oder gleichbleibende Lagerungsschonhaltung des Gelenks (bei Schmerzen)
  • Wahrnehmungsstörungen (der Mensch bringt seine Extremität in Gelenkendstellung, um einen Widerstand zu spüren)
  • Lagerungsdeformität durch nicht fachgerecht durchgeführte Lagerung
Aktive und passive Bewegungsübungen

Wir möchten Sie im Rahmen der aktivierenden Pflege zu aktiven und passiven Bewegungsübungen motivieren. Mit dem Durchbewegen der Gelenke soll der Bewegungsspielraum eines Gelenks erhalten bleiben und unterstützt werden. Wir oder Ihr Physiotherapeut zeigen Ihnen gerne passende Bewegungsübungen, die Sie später auch selbstständig und/oder mit Unterstützung Angehöriger durchführen können. Passive Bewegungsübungen integrieren wir grundsätzlich nach den individuellen Bewegungsmöglichkeiten in die Grundpflege.

Grundsätze der Bewegungsübungen
  • Alle Bewegungsübungen werden langsam und rhythmisch durchgeführt
  • Es wird jeweils nur ein Gelenk pro Übung bewegt
  • Die Bewegungsübungen sollten zwei- bis dreimal pro Tag durchgeführt werden. Die Übungen werden mindestens drei- bis fünfmal hintereinander durchgeführt. Für einen Trainingseffekt sind acht bis zehn Wiederholungen erstrebenswert
  • Gelenke werden nur soweit bewegt, bis ein leichter Widerstand spürbar ist oder sich Schmerzen einstellen. Bei Menschen, die mit einer Verminderung ihrer geistigen Fähigkeiten leben, muss besonders auf die Mimik während der Übungen geachtet und entsprechend reagiert werden
  • Ruckartige Bewegungen werden vermieden
  • Alle Übungen werden so ausgewählt, dass keine Überforderung der Kräfte und Fähigkeiten stattfindet
Lagerungen bei drohenden und bestehenden Kontrakturen

Um die Ausprägung der möglichen oder bestehenden Kontrakturen zu verringern bzw. entgegen zu wirken, können in festgelegten Zeitabständen nach den Übungen Lagerungen durchgeführt werden, die wir oder Ihr Physiotherapeut Ihnen gerne zeigen.

Grundsätze der Lagerungen

Die Lagerung der Gelenke erfolgt immer in physiologischer Haltung/Stellung
Die Beweglichkeit sollte nicht vollständig eingeschränkt werden
Ein Lagerungswechsel sollte nach ca. zwei Stunden erfolgen

*Zur sprachlichen Vereinfachung und damit zur verbesserten Lesbarkeit wird im Text lediglich eine Geschlechtsform verwendet. Das jeweils andere Geschlecht ist ausdrücklich mit gemeint.